19. August 2022

Dialogkultur

Dialogkultur

„Jeder Einzelne ist ein Tropfen, gemeinsam sind wir ein Meer.“ 

Ryunosuke Satoro, japanischer Autor

Unsere moderne Welt befindet sich in ständiger Veränderung. Rasante Entwicklungen und ein immer komplexer werdendes System verlangen agile Arbeitsweisen und Strukturen, um sich neuen Gegebenheiten anpassen zu können. Als eines der wichtigsten Werkzeuge für Unternehmen setzt die Dialogkultur das Fundament für effektives Handeln in Gruppen und Teams jeder Organisationsform. Eine lebendige Dialogkultur schafft Transparenz und Klarheit innerhalb der Unternehmung. Dafür ist eine offene und ehrliche Kultur nötig, in der Informationen frei fließen können, damit Teams lernen, gemeinsam zu denken und Ideen zu entwickeln, die Ideen aus Einzelarbeit weit übertreffen.

Solange man selbst redet, erfährt man nichts. (Marie von Ebner-Eschenbach)


Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für eine gelungene Dialogkultur ist das Zuhören. Wie sollen Ideen und Erfahrungen ausgetauscht werden, wenn der Sender sendet, aber der Empfänger nicht empfängt? Bereits Immanuel Kant bezeichnete den Zuhörer als einen schweigenden Schmeichler. Und auch in der modernen Wissenschaft ist das Zuhören für positive Ergebnisse verantwortlich. Beispielsweise konnte der Harvard-Professor William Ury in Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die ihrem Gegenüber aktiv zuhören, bessere Verhandlungsergebnisse erzielen als jene, die vor allem ihre eigenen Argumente und Ideen vorbringen sowie Körpersprache-Expertin Lillian Glass herausfand, dass Menschen, die anderen gut zuhören können, besonders stark und selbstsicher wirken.

Doch das Zuhören ist keine leichte Disziplin. Das Gehirn beansprucht dafür rund 25 Prozent der Kapazitäten. Gutes Zuhören verlangt mentale Stärke. Der amerikanische Autor Anthony Alessandra definierte vier Zuhörer-Typen.

Der Weghörer ist eher introvertiert und tut sich schwer, sich ganz auf ihr Gegenüber einzulassen.

Der selektive Zuhörer imitiert das Zuhören, schaltet oft ab und hört nur, was er hören will.

Der bewertende Zuhörer ist ein geübter Diskutant, der keinen Dialog führen, sondern eine Debatte gewinnen möchte. Entsprechend hört und versteht er zwar die Argumente, ist in Gedanken aber schon längst bei seinen Gegenargumenten.

Und zu guter Letzt der aktive Zuhörer. Er stoppt seinen inneren Monolog. Wenn er zuhört, schenkt er seinem Gegenüber die exklusive Aufmerksamkeit und stellt sich auf den Gesprächspartner ein. Dies fordert eine hohe emotionale Intelligenz.

Sollten Sie das Gefühl haben, sich eher in eine der ersten drei Zuhörerkategorien einzuordnen als in die vierte, seien Sie versichert, Zuhören lässt sich trainieren!

 Um Ihnen eine Hilfestellung zu bieten, folgen sechs Hinweise, um Ihre Fähigkeit zu verbessern.

1. Schweigen Sie
Es ist unmöglich zur selben Zeit zu reden und zuzuhören. Lassen Sie den anderen aussprechen.

2. Entspannen Sie sich
Dies lockert nicht nur Ihre persönliche Haltung, sondern hat einen Einfluss auf die gesamte Atmosphäre. Ihre Körpersprache wirkt auf Ihr Gegenüber. Dies kann den Unterschied zwischen einer gehaltvollen Unterhaltung oder Smalltalk bedeuten.

3. Stellen Sie Fragen
Aktives Zuhören ist nicht mit Schweigen zu verwechseln. Gute Zuhörer stellen klärende Fragen. Sie fragen nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben oder wiederholen das Verstandene mit eigenen Worten.

 „Sie finden also, dass…?“
„Meinten Sie, dass…?“
„Ich höre heraus, dass…“
„Bis hierhin habe ich Folgendes verstanden: …“
„Ich fasse kurz zusammen: …“

4. Blickkontakt
So, wie Ihre Körpersprache wichtig ist, sollten auch Sie die Körpersprache Ihres Gegenübers betrachten. Registrieren Sie Gestik, Mimik sowie die andere Signale, die Ihnen Einblicke Ihres Gegenübers gewähren. Sind Sie einfühlsam, können Sie darauf eingehen. Ihr Gesprächspartner ist nervös? Lösen Sie die Spannung, indem Sie den Gesprächspartner freundliche Sicherheit bieten, um sich austauschen zu können.

5. Nicht dazwischen sprechen
Nutzen Sie Pausen, um das Gesagte zu verdauen und darüber nachzudenken. Für die Auszeit müssen Sie sich überhaupt nicht schämen, denn Ihre Antworten werden wertvoll sein.

6. Nicht Belehren
Ein guter Zuhörer ist an langfristigen und gehaltvollen Lösungen interessiert, nicht an schnellen Effekten, daher sollten Sie Ihre Ratschläge auch nur erteilen, wenn Sie darum gebeten werden. Alles andere wirkt latent aufdringlich und besserwisserisch. Zuhören dient einer wohlwollenden Beziehung, keiner Selbsttherapie.

Zuhören kann in jeder Lebenslage trainiert werden. Ob im beruflichen Umfeld oder auf dem Familienfest, das Zuhören wird Sie als intelligent und sympathisch auftreten lassen. Durch Ihr zuhören, gestalten Sie Dialogkultur, plötzlich entsteht ein Gesprächsfaden, Austausch, Offenheit, Interesse – Verbindung, Tiefe. Dafür lohnt es sich zuzuhören.

Julius Thürmer

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