Dialogkultur

„Jeder Einzelne ist ein Tropfen, gemeinsam sind wir ein Meer.“ 

Ryunosuke Satoro, japanischer Autor

Unsere moderne Welt befindet sich in ständiger Veränderung. Rasante Entwicklungen und ein immer komplexer werdendes System verlangen agile Arbeitsweisen und Strukturen, um sich neuen Gegebenheiten anpassen zu können. Als eines der wichtigsten Werkzeuge für Unternehmen setzt die Dialogkultur das Fundament für effektives Handeln in Gruppen und Teams jeder Organisationsform. Eine lebendige Dialogkultur schafft Transparenz und Klarheit innerhalb der Unternehmung. Dafür ist eine offene und ehrliche Kultur nötig, in der Informationen frei fließen können, damit Teams lernen, gemeinsam zu denken und Ideen zu entwickeln, die Ideen aus Einzelarbeit weit übertreffen.

Solange man selbst redet, erfährt man nichts. (Marie von Ebner-Eschenbach)


Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für eine gelungene Dialogkultur ist das Zuhören. Wie sollen Ideen und Erfahrungen ausgetauscht werden, wenn der Sender sendet, aber der Empfänger nicht empfängt? Bereits Immanuel Kant bezeichnete den Zuhörer als einen schweigenden Schmeichler. Und auch in der modernen Wissenschaft ist das Zuhören für positive Ergebnisse verantwortlich. Beispielsweise konnte der Harvard-Professor William Ury in Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die ihrem Gegenüber aktiv zuhören, bessere Verhandlungsergebnisse erzielen als jene, die vor allem ihre eigenen Argumente und Ideen vorbringen sowie Körpersprache-Expertin Lillian Glass herausfand, dass Menschen, die anderen gut zuhören können, besonders stark und selbstsicher wirken.

Doch das Zuhören ist keine leichte Disziplin. Das Gehirn beansprucht dafür rund 25 Prozent der Kapazitäten. Gutes Zuhören verlangt mentale Stärke. Der amerikanische Autor Anthony Alessandra definierte vier Zuhörer-Typen.

Der Weghörer ist eher introvertiert und tut sich schwer, sich ganz auf ihr Gegenüber einzulassen.

Der selektive Zuhörer imitiert das Zuhören, schaltet oft ab und hört nur, was er hören will.

Der bewertende Zuhörer ist ein geübter Diskutant, der keinen Dialog führen, sondern eine Debatte gewinnen möchte. Entsprechend hört und versteht er zwar die Argumente, ist in Gedanken aber schon längst bei seinen Gegenargumenten.

Und zu guter Letzt der aktive Zuhörer. Er stoppt seinen inneren Monolog. Wenn er zuhört, schenkt er seinem Gegenüber die exklusive Aufmerksamkeit und stellt sich auf den Gesprächspartner ein. Dies fordert eine hohe emotionale Intelligenz.

Sollten Sie das Gefühl haben, sich eher in eine der ersten drei Zuhörerkategorien einzuordnen als in die vierte, seien Sie versichert, Zuhören lässt sich trainieren!

 Um Ihnen eine Hilfestellung zu bieten, folgen sechs Hinweise, um Ihre Fähigkeit zu verbessern.

1. Schweigen Sie
Es ist unmöglich zur selben Zeit zu reden und zuzuhören. Lassen Sie den anderen aussprechen.

2. Entspannen Sie sich
Dies lockert nicht nur Ihre persönliche Haltung, sondern hat einen Einfluss auf die gesamte Atmosphäre. Ihre Körpersprache wirkt auf Ihr Gegenüber. Dies kann den Unterschied zwischen einer gehaltvollen Unterhaltung oder Smalltalk bedeuten.

3. Stellen Sie Fragen
Aktives Zuhören ist nicht mit Schweigen zu verwechseln. Gute Zuhörer stellen klärende Fragen. Sie fragen nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben oder wiederholen das Verstandene mit eigenen Worten.

 „Sie finden also, dass…?“
„Meinten Sie, dass…?“
„Ich höre heraus, dass…“
„Bis hierhin habe ich Folgendes verstanden: …“
„Ich fasse kurz zusammen: …“

4. Blickkontakt
So, wie Ihre Körpersprache wichtig ist, sollten auch Sie die Körpersprache Ihres Gegenübers betrachten. Registrieren Sie Gestik, Mimik sowie die andere Signale, die Ihnen Einblicke Ihres Gegenübers gewähren. Sind Sie einfühlsam, können Sie darauf eingehen. Ihr Gesprächspartner ist nervös? Lösen Sie die Spannung, indem Sie den Gesprächspartner freundliche Sicherheit bieten, um sich austauschen zu können.

5. Nicht dazwischen sprechen
Nutzen Sie Pausen, um das Gesagte zu verdauen und darüber nachzudenken. Für die Auszeit müssen Sie sich überhaupt nicht schämen, denn Ihre Antworten werden wertvoll sein.

6. Nicht Belehren
Ein guter Zuhörer ist an langfristigen und gehaltvollen Lösungen interessiert, nicht an schnellen Effekten, daher sollten Sie Ihre Ratschläge auch nur erteilen, wenn Sie darum gebeten werden. Alles andere wirkt latent aufdringlich und besserwisserisch. Zuhören dient einer wohlwollenden Beziehung, keiner Selbsttherapie.

Zuhören kann in jeder Lebenslage trainiert werden. Ob im beruflichen Umfeld oder auf dem Familienfest, das Zuhören wird Sie als intelligent und sympathisch auftreten lassen. Durch Ihr zuhören, gestalten Sie Dialogkultur, plötzlich entsteht ein Gesprächsfaden, Austausch, Offenheit, Interesse – Verbindung, Tiefe. Dafür lohnt es sich zuzuhören.

Julius Thürmer

Warum Zugehörigkeit ein Schlüsselelement moderner Unternehmenskultur ist

Checken Sie doch einmal, wie sich bei Ihnen persönlich Zugehörigkeit auswirkt. Beantworten Sie folgende Fragen:

Zugehörigkeit und Sicherheit zählen zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen. Sind diese Bedürfnisse erfüllt, stellen sich Gefühle wie …sicher, zufrieden, sorglos, optimistisch, gelassen, fröhlich ein. Gute Gefühle geben Kraft und stärken. Stärken für die täglichen Herausforderungen der VUCA-Welt, geprägt von Volatilität (Unbeständigkeit), Ungewissheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit (VUCA). Wir erleben diese Kriterien täglich im Arbeitsalltag. Häufig treten unerwartet und sprunghaft, nicht kalkulierbare Entwicklungen auf. Situationen entstehen, die nicht vorhersehbar waren, Menschen verhalten sich anders als erwartet. Anforderungen an Unternehmen und Mitarbeiter werden komplexer, immer wieder, wird der ganzheitliche Blick über den Tellerrand gefordert.

Um mit den Herausforderungen der VUCA-Welt klar zu kommen, sind Zugehörigkeit und Sicherheit wichtige Kraftquellen ihrer Mitarbeiter. Unternehmen müssen Handlungen entwickeln, die diese Grundbedürfnisse erfüllen. Es lohnt sich eine Kultur zu gestalten, die Mitarbeiter stärkt, statt sie an ihre Grenzen zu bringen. Können Mitarbeiter aus ihrem Arbeitsalltag Kraft ziehen, entsteht Selbstvertrauen, Mut, Sicherheit. Dies wirkt sich das auf ihr Umfeld im Unternehmen aus. Sie sind aufgeschlossen, freundlich, neugierig, kreativ, motiviert, optimistisch, zuversichtlich. Entsprechend konstruktiv ist die Teamkultur, miteinander erfolgt die Zusammenarbeit, Projekte werden interessiert lösungsorientiert vorangebracht, Menschen übernehmen Verantwortung, treiben Themen voran… Eine Wunschvorstellung? Nein, eher  das Bild einer modernen Unternehmenskultur.

Es lohnt sich also zu fragen:

Auch in diesem Jahr gibt es die Verknüpfung des COWEO-Kalenders mit der website. Sie erhalten an dieser Stelle regelmäßige Impulse zum Jahresthema - Arbeit neu denken –

Meine Beratungspraxis der letzten 3 Jahre hat mich angeregt, dieses Thema für 2022 zu wählen.

Mein Ziel -  Unternehmen begeistern, den Blick nach innen zu richten, sich zu hinterfragen, Arbeit neu zu denken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ich möchte erreichen, dass Sie interne Change-Projekte hinterfragen oder ggfs. neu Projekte initiieren, vor dem Hintergrund der Notwendigkeit Arbeit neu zu denken.

Digitalisierung, volatile Märkte, zunehmender Wettbewerbsdruck, Fachkräftemangel, Unzufriedenheit von Mitarbeitenden, veränderte Erwartungen der neuen Generationen - nur einige der Gründe, weshalb sich Unternehmen hinterfragen müssen, ob sie durch die Art, wie bei ihnen gearbeitet wird, noch attraktiv und vor allem wettbewerbsfähig sind.

Wie wird bei Ihnen gearbeitet?

Einige Fragen die anregen Arbeit neu zu denken. Wenn Sie anfangen neu zu denken, verändert sich Bewährtes. Beginnt im Unternehmen neues Denken, kann sich Unternehmenskultur verändern. Bewährtes wird hinterfragt, es wird bewahrt was gut ist und es entsteht Mut, das loszulassen, was hindert und Neues anzufangen.   

Frithjof Bergmann „Das Ziel der neuen Arbeit besteht nicht darin, die Menschen von der Arbeit zu befreien, sondern die Arbeit so zu verändern, damit sie freie, selbstbestimmte Menschen hervorbringt.“

Unter diesem Leitsatz bekommt jedes Change-Projekt einen neuen Sinn!

Was erzeugt Sinn? - Flexibilität, Freiraum, Selbstverwirklichung, Spaß bei der Arbeit, Entscheidungskompetenz, Gestaltungsspielraum für Mitarbeitende, Perspektiven, wenig Hierarchie, offene Kommunikation, respektvoller Umgang, Teamwork  …  einige Erwartungen der neuen Generation an Arbeit, die für diese Gruppe definitiv zu sinnvoller Arbeit beitragen.

Werden Sie mit Ihrer Arbeitskultur diesen Erwartungen gerecht oder ist es Zeit für Change?

Kontaktieren Sie mich, ich berate Sie gern, wie Sie die für Ihr Unternehmen passende Change-Architektur entwickeln. Nicht jedes Unternehmen muss agil werden, aber ihre Strukturen müssen neue Arbeit ermöglichen.

(Bildquelle - unsplash, C. Karlson)

Lernbereitschaft ist der Wunsch neues Wissen zu erwerben und sich weiterzuentwickeln. Eine lernbereite Person möchte seinen Horizont erweitern und sich beispielsweise im beruflichen Umfeld modernen Trends und Entwicklungen öffnen, aber auch wichtige Fähigkeiten ausbauen wie Kommunikationsfähigkeit, soziales Bewusstsein oder Zeitmanagement.

Mitarbeiter mit einer ausgeprägten Lernbereitschaft benötigen häufig weniger  Führung und neigen dazu andere Mitarbeiter zu unterstützen und zu motivieren. Insbesondere bei der Zusammenarbeit mit erfahrenen Kollegen kann eine offene Lerneinstellung optimale Erfolge liefern. Die Improvisationsfähigkeit, also das Einstellen auf neue, unbekannte Situationen erhöht sich mit zunehmendem Selbstvertrauen sowie einem breiten Spektrum an Erfahrungen und Kenntnissen.

Ich lehre meinen Schülern nichts; Ich versuche nur Bedingungen für sie zu schaffen, in denen sie lernen können.“ Albert Einstein

Doch nicht nur die Einstellung der lernenden Person ist von Bedeutung, auch das Umfeld ist entscheidend. Gebildete und inspirierende Menschen, die gern Wissen teilen, können eine positive Atmosphäre schaffen, in der sie sich selbst, aber auch ihre Mitmenschen zum gemeinsamen Lernen und Weiterentwickeln anregen können. Menschen, die bei ihrer Suche nach Rat unterstützt und nicht abgetan werden, sind geneigter andere Meinungen zu verarbeiten und anzunehmen. Stolz, Arroganz und Besserwisserei können dabei giftigauf die Lernkultur wirken.

Ein weiterer wichtiger Punkt für eine inspirierende Lernkultur  ist eine adäquate Feedback- und positive Entwicklungskultur. Fehler sind sehr wichtige Werkzeuge für das Lernen, wenn der Umgang mit ihnen in einem sinnvollen und fördernden Rahmen stattfindet. Lesen Sie dazu den Aktuell-Beitrag vom März 2021. Diesen fördernden Rahmen zu ermöglichen, ist wichtige Aufgabe von Organisationsentwicklung. Es lohnt sich z.B. Reflexions- und Feedbackschleifen einzuführen, um Vorgehensweise zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Dies kann ein gemeinsamer Entwicklungsprozess des Managements und der Mitarbeitenden eines Unternehmens sein.

Eine spannende Methode in diesem Zusammenhang ist das  „YES and“ Prinzip? Dieses Prinzip wurde von Keith Johnstone, Begründer des modernen Improvisationstheaters, entwickelt. Es bedeutet, dass ein Angebot oder ein Vorschlag mit einem „JA“ angenommen und dann mit „UND“ etwas Eigenes hinzugefügt wird.  

Unkonventionellen Ideen, Herausforderungen oder Veränderungen wird im Alltag  häufig mit „JA, ABER…“ begegnet. Diese Haltung ist abgrenzend, eher demotivierend.

Mit dem „Yes and“ Prinzip kann der achtsame, wache und aufmerksame Umgang miteinander trainiert und damit die Grundlage dafür geschaffen werden, dass improvisiertes Handeln auf einer professionellen Ebene möglich wird. Dabei wird die Zusammenarbeit geprägt von einer inneren Haltung der Wertschätzung und des Vertrauens. Die Akteure signalisieren sich Offenheit für Ideen, dass  sie sich ernst nehmen und respektieren sowie eine Lösung gemeinsam entwickeln wollen. Der Entscheidende Unterschied zwischen „Ja aber“ und „Yes and“ ist also die Aufnahme des Gesagten und die Verbindung mit hinzugefügten Ideen, wodurch ein gemeinsames Konstrukt aus verschiedenen Quellen entsteht, während „Ja aber“ eine Kontraposition erzeugt.

Durch „Yes and“ wird der Prozess anregend und horizonterweiternd. Dies öffnet für Neues, ermöglicht neue Perspektiven, schafft einen Rahmen für Lernkultur. Wird durch einen Vorgesetzten/eine Vorgesetzte das „YES AND…“-Prinzip kultiviert,  entsteht dadurch eine Atmosphäre der Offenheit und des Interesses an Meinungen anderer. Teamkultur, Miteinander und Zusammenarbeit werden gefördert.

Probieren Sie das „YES and“ Prinzip aus!

Julius Thürmer

Fokussierung bedeutet, die Aufmerksamkeit zu bündeln und auf einen bestimmten Punkt bzw. ein bestimmtes Thema zu richten. Fokussierung stärkt sowohl im persönlichen, als auch im unternehmerischen Bereich die Konzentration.

Fokussierung und Konzentration sind Schlüsselfähigkeiten für erfolgreiches arbeiten. Durch die Fokussierung auf eine bestimmte Aufgabe gelangen wir schneller zum Ziel, arbeiten konzentriert und effektiv. Fokussierung beeinflusst unsere Wahrnehmung und lenkt unsere Aufmerksamkeit. Haben wir ein bestimmtes Thema im Blick oder beschäftigen wir uns intensiv mit einem bestimmten Thema, haben wir im Alltag häufig das Gefühl, dass wir vermehrt Dinge erleben oder Menschen begegnen, die mit diesem Thema zu tun haben.  Unsere Wahrnehmung wird durch unseren Fokus gefiltert, beeinflusst. Unsere Aufmerksamkeit wird gelenkt durch Fokussierung. Dies kann sich positiv oder negativ auswirken, je nach dem, worauf wir unseren Fokus legen.

Auch im Unternehmen kann Fokussierung zur Stärkung der Unternehmenskultur eingesetzt werden z.B. durch

Ob Fokussierung jedoch positiv oder negativ wirkt und damit ihre kraftgebende Wirkung erzielen kann, hängt von weiteren Faktoren ab:

Gibt es im Unternehmen eine positive Fokussierung, entsteht eine Kultur der Verbundenheit und Mitverantwortung. Sind Geschäftsbereiche in Transparenz und Dialog gemeinsam auf eine Vision oder Ziele ausgerichtet, hat das zur Folge, dass alle im Unternehmen an einem Strang ziehen, Entscheidungen zielgerichtet getroffen werden. Durch einen klaren Fokus im Unternehmen entsteht eine stärkende Kraft, die Verbindung erzeugt und Engagement. Dieses wirkt als Widerstandskraft, wenn schwierige Situationen auftreten oder Krisen durchgestanden werden müssen. Das ist die gute Wirkung von Fokussierung.

Fokussierung kann sich allerdings auch negativ auswirken. Viele Unternehmen haben in der Mitarbeiterführung und auch im täglichen Reporting den Fokus eher auf Problemen, Misserfolgen, unzufriedenen Kunden, Fehlentscheidungen, Kritik, Fehlverhalten von Mitarbeitenden…. In diesen Unternehmen wird mit dem Begriff Feedback-Kultur häufig nur Kritik verbunden. Dieser Fokus zieht negative Gefühle, wie Druck, Stress, Konflikte, Ängste an. Es entsteht eine Kultur von Schuld, Vorwurf, Fingerpointing zwischen Beteiligten, Verantwortungslosigkeit, Angst, Unsicherheit, Unzufriedenheit, Dienst nach Vorschrift, Vertrauensverlust.

Engagement, Freude an der Arbeit, Mitgestaltungslust, Ideenreichtum, Kreativität, Entscheidungsmut sucht man in diesen Unternehmen vergebens. Zur Entwicklung dieser Kompetenzen braucht es positive Fokussierung.

Wo liegt der Fokus bei Ihnen oder in Ihrem Unternehmen? Ist es Zeit für eine Veränderung?

Stress entsteht im Kopf und jeder Mensch besitzt eine individuelle Bewältigungsstrategie für  den Umgang mit Stress. Durch individuelle Wahrnehmung und Bewertung von Situationen werden die Weichen für körperliche und geistige Stressreaktionen gestellt. Stress kann positiv oder negativ erlebt werden. Unser Denken hat also Einfluss auf unser Stressempfinden.

Wir können entscheiden, was wir denken bzw. wie wir bestimmte Situationen bewerten wollen.

Folgt man dieser These, liegt es in unserer Macht, ob wir positiven oder negativen Stress empfinden. Positiver Stress ist endorphin-gesteuert, wirkt belebend, bringt angenehme Glücksgefühle und verleiht vorübergehend „Flügel“ oder „Bärenkräfte“.  Negativ bewerteter Stress wird als belastend erlebt und äußert sich in Symptomen wie z.B. Verspannungen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen.

Mit bewusster Veränderung der Bewertung bestimmter Situationen können wir Einfluss nehmen, auf unsere persönliche Stressresistenz, unsere Widerstandskraft im Umgang mit stressvollen Situationen.

Unsere Widerstandskraft kann sich verändern, wenn wir lernen, Situationen weniger negativ zu bewerten.

Zusätzlich zur individuellen Widerstandskraft, hat die Evolution uns Menschen mit einem automatischen Notfallsystem ausgestattet, welches in herausfordernden Situationen „anspringt“. Unsere evolutionäre Stressautomatik ist für kurzfristigen Stress ausgelegt (Säbelzahntiger – Überleben – Flucht oder Kampf). Der Körper stellt sich reflexartig auf Flucht oder Kampf ein. Die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, Puls und Blutdruck steigen. Der Körper stellt für diese Situation ein Höchstmaß an Energie zur Verfügung. Unser Organismus produziert Stresshormone und unser Körper reagiert darauf. Ist die Gefahr vorüber, folgt ein Abbau der Stresshormone. Eine automatische Erholungsphase beginnt und damit eine Entspannung für Körper und Psyche. Diese Erholungsphase und damit verbundener Abbau der Stresshormone ist wichtig, um langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben.  Eine dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel im Körper z.B. erschöpft die körpereigene Anpassungsenergie. Auf psychischer Ebene wird unsere Widerstandskraft und Konzentrationsfähigkeit geschädigt, körperlich sind Stoffwechselstörungen, Entzündungskrankheiten, Schwächung des Immunsystems die Folge.

Unsere Stressautomatik gibt uns somit einen sehr wichtigen Hinweis: Es muss immer einen Wechsel zwischen Stress und Erholung geben, um wieder zurück in die Balance zu kommen.

Wichtiges Element für Stressbewältigung ist also die persönliche Balance zwischen Anspannung und Entspannung und damit verbundene Vorbeugung von dauerhafter Anspannung.

Nutzen Sie folgende Anregungen für Ihr eigenes Stressmanagement:

Dieser Beitrag wurde geschrieben von Julius Thürmer und Gabriele Wilk.

Hier bin ich. Ich bin der Moment, in dem Sie diesen Text lesen.

Wie fühlen Sie sich, während ich da bin? Gelassen, entspannt, nachdenklich, gestresst? Vielleicht lesen Sie auch nicht, sondern überfliegen nur schnell den Text und scannen nach Schlagworten. Der Moment jedenfalls, indem Sie begannen, den Text zu lesen, ist mittlerweile verstrichen, denn Sie haben bereits den sechsten Satz erreicht.

“Was dir so kostbar erscheint, ist nicht die Zeit, sondern der einzige Punkt, der außerhalb der Zeit liegt: das Jetzt. Das allerdings ist kostbar. Je mehr du dich auf die Zeit konzentrierst, auf Vergangenheit und Zukunft, desto mehr verpasst du das Jetzt, das Kostbarste, was es gibt.” Eckhart Tolle

Das Verweilen im Jetzt, im gegenwärtigen Moment nimmt auch im Buddhismus eine zentrale Rolle ein.

Buddha sagt: "Unsere Verabredung mit dem Leben findet im gegenwärtigen Augenblick statt. Und der Treffpunkt ist genau da, wo wir uns gerade befinden."

Jeder Moment bietet das Potential, um Gegenwärtigkeit zu üben. Momente, in denen an der Kasse im Supermarkt, an der roten Ampel oder auf das nächste Fußballspiel gewartet wird, werden oft genutzt, für das Denken an Dinge, die zu erledigen sind, Sorgen über eine hohe Rechnung oder vielleicht das Ärgern über einen Arbeitskollegen. Die Gedanken springen in die Zukunft oder Vergangenheit und schenken dem gegenwärtigen Augenblick meist wenig Beachtung.  Für diese Momente gibt es im Buddhismus Achtsamkeitsübungen, die bei jeder passenden Gelegenheit durchgeführt werden können.

Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst, um im gegenwärtigen Moment zu sein. Eine kleine Übung:

Schalten Sie Geräte wie Radio, Fernseher, Handy aus. Öffnen Sie ein Fenster oder die Tür und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Geräusche der Personen in Ihrer Umgebung, das Rascheln der Blätter, das Zwitschern der Vögel.

Beobachten Sie Ihre Umgebung, wenn Sie können, länger als einen Augenblick. Beobachten ist wie einen Film schauen mit Darstellern und Handlungssträngen. Sie können auch während einer Besprechung mit Kollegen beobachten, was vor sich geht. Die Worte und Körpersprache der anderen, der Tonfall, nehmen Sie wahr, was passiert. Desto häufiger Sie Ihre Aufmerksamkeit trainieren, desto mehr Kleinigkeiten werden Ihnen auffallen, Sie werden aufmerksamer.

Atmen und Meditieren sind die nächsten Schritte, um nach buddhistischer Vorstellung Achtsamkeit zu üben und innezuhalten. Eine Anleitung zur Förderung Ihrer Achtsamkeit und Beobachtungsfähigkeit:

3 Minuten Atemraum

Minute 1 - Fokus nach Innen – Beobachten Sie Gedanken, Gefühle, Empfindungen.

Minute 2 - Fokus auf den Atem – Beobachten Sie wie der Atem in den Körper kommt/strömt/fließt und ihn wieder verlässt.

Minute 3 - Fokus Körper – Atmen Sie in der Vorstellung in den ganzen Körper hinein, mit dem ganzen Körper.

Wenn Sie möchten, dehnen Sie zum Abschluss in der Vorstellung den Raum, den Ihr Atem einnimmt, noch über den physischen Körper hinaus.

Abschließen möchte ich diesen Artikel zum Thema Innehalten und sich Zeit nehmen mit einem letzten Zitat von Eckhart Tolle, für das Sie sich gern Zeit nehmen können, um ein wenig darüber  nachzudenken 😉

"Schauen wir genauer hin, existiert Zeit gar nicht. Es ist immer nur Jetzt. Jetzt sind diese Worte zu hören, jetzt spüre ich Lebendigkeit im Körper. Vergangenheit und Zukunft gibt es nur in unseren Gedanken – wie bin ich hierhergekommen, was mache ich später? Doch auch diese Gedanken tauchen jetzt auf. Alles, das Leben selbst, ist immer Jetzt, nur jetzt. Eigentlich ganz einfach. Dennoch scheinen wir alle von der Zeit beherrscht zu sein. Von dieser Zeitlinie, die sich angeblich von der Vergangenheit in die Zukunft erstreckt. Warum geschieht es so selten, dass wir durch diese illusionäre Oberfläche vertikal in die Tiefe der Gegenwärtigkeit vorstoßen?"   Eckhart Tolle

Dieser Monatsbeitrag wurde geschrieben von Julius Thürmer.

Um die Kompetenz der Chancenorientierung zu entwickeln ist es zunächst wichtig, die Konzentration nicht länger als notwendig auf die Analyse von Fehlern und Problemen zu richten. Die Aufmerksamkeit sollte vor allem auf mögliche Lösungen und Chancen gerichtet sein, die in vermeintlichen Schwierigkeiten oder Herausforderungen stecken.

Unternehmen die eine Kultur der Chancenorientierung etablieren, pflegen eine grundsätzlich positive optimistische Grundhaltung, fördern Werte wie Offenheit, Neugierde, Perspektivwechsel und Kreativität. Es geht hier stets darum sich weiterzuentwickeln, zu lernen und neue Lösungen zu finden.

Das Aufbauen auf vorhandene Stärken, die bereits erfolgreich gemacht haben, ist Teil der Unternehmenskultur.

Wenn in ihrem Unternehmen die Chancenorientierung noch ausbaufähig ist, ist folgende Methode ein interessanter Ansatz. "Appreciative Inquiry“ (AI), eine Methode der wertschätzenden Organisationsentwicklung, entwickelt von Suresh Srivastva und David Cooperrider, Professor für soziales Unternehmertum an der Weatherhead School of Management, richtet ganz bewusst den Fokus auf vorhandene Kompetenzen und Erfolge.

 "Appreciative Inquiry" lässt sich salopp so übersetzen: Mehr von dem was gut funktioniert.

Bei Anwendung der AI wird die Aufmerksamkeit im Unternehmen ganz bewusst auf Erfolge, Stärken, positive Aspekte und vorhandenes Potenzial gelenkt. In dieser optimistischen Konsequenz steckt die Überzeugung, dass sich Unternehmen immer in die Richtung entwickeln, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten und was sie untersuchen (nach Bonsen, Maleh). Gelingt es also, den Fokus im Unternehmen auf den bereits bestehenden Erfolg auszurichten bzw. sich konsequent auf die positiven Erfahrungen der Vergangenheit zu konzentrieren, fördert dies die Organisationsentwicklung.  

So läuft ein AI-Prozess üblicherweise ab:

  1. Bestimmen welches Thema untersucht/analysiert werden soll.
  2. Wahrnehmen und wertschätzen, was bisher alles gut läuft (Discovery).
  3. Erträumen, was noch alles sein soll (Dream).
  4. Ideen ausarbeiten/Maßnahmen ableiten (Design).
  5. Umsetzung der festgelegten Ziele - gemeinsam die Praxis für die Zukunft entwickeln z.B. neue Ideen umsetzen (Destiny).

Diese 5 Schritte können unterstützen mit positiven Informationen die Organisationsentwicklung zu fördern. Die bereits vorliegenden Erfolgserlebnisse im Unternehmen bilden die Basis für zukünftiges Handeln, sorgen für Motivation und Veränderungsmut. Fehlerfokussierung, Frustration, Verteidigungsdiskussionen, Schuldzuweisungen – kraftraubende Zeitfresser, gehören der Vergangenheit an.

In agilen Organisationen wird diese Haltung durch eine ressourcenorientierte Feedback-Kultur unterstützt, mit dem Fokus auf das, was gut gelingt. Wenn etwas gut funktioniert, mach mehr davon!

1. Was läuft gut, das sollte so beibehalten werden. (Beibehalten)

2. Das gibt es schon, kann noch verstärkt werden. (Mehr davon – Potenzial)

3. Hier gibt es etwas Neues, das sollten wir ausprobieren. (Neu)

Seit Anfang des Jahres erscheint regelmäßig auf der COWEO-Website ein aktueller Beitrag, der sich am Jahresthema des COWEO-Kalenders - Kraftvoll durch Krisen - orientiert.

Verfasst werden diese Beiträge übrigens von unserer Werkstudentin - Sophie. Sophie studiert im Master Erwachsenenbildung und beschäftigt sich jeden Monat mit dem Thema des Kalenders. Das Ergebnis der Vertiefung und Recherche findet sich dann im Aktuell-Beitrag wieder.

„Neugierig zu sein bedeutet, eine Offenheit für und eine aktive Suche nach neuen Informationen. Es bedeutet auch Fakten zu akzeptieren, die nicht in die eigene Weltanschauung passen und ihre Konsequenzen zu verstehen zu versuchen. Es bedeutet, dass eigene Fehler zu Neugier und nicht zu Verlegenheit führen. =>Wie konnte ich mich bei dieser Tatsache nur so irren? Was kann ich aus diesem Fehler lernen?“ – Hans Rosling, Ola Rosling & Anna Rosling Rönnlund, Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist (New York: Flatiron Books, 2018), S.249.

Du bist aber neugierig! Klingt dieser Satz auch in Ihren Ohren?

Neugierig zu sein wird oftmals als negative Eigenschaft bewertet. Allerdings ohne Neugier, also ohne Interesse an Neuem, ohne Gier nach Neuem, gibt es keine Entwicklung. Neugier ist der Motor für neue Prozesse.

Schon im Kindesalter gehört Neugier zum Alltag. Kinder stellen viele Fragen, lassen nicht locker und probieren Dinge aus. Diese Offenheit, dieses Interesse, diese Unbefangenheit im Umgang mit Nichtwissen, ist Grundlage für Lernprozesse und neue Erfahrungen. Leider gewöhnen wir uns im Laufe des Erwachsenwerdens meist ab, neugierig zu sein und Fragen zu stellen, um zu verstehen und zu lernen. Wir haben irgendwann gelernt, es könnte einen schlechten Eindruck machen, wenn man etwas nicht weiß oder wenn man zu viele Fragen stellt. Dabei entstehen viele Missverständnisse, weil Dinge unausgesprochen bleiben und eben aus Angst, als Nichtwissend dazustehen, nicht nachgefragt wurden. Im späteren Berufsleben erlernen wir dann in Kommunikationstrainings wieder die Fähigkeit Fragen zu stellen, aktiv zuzuhören und nachzufragen, um die Verständigung zwischen Menschen positiv zu gestalten.

Durch den Verlust von Neugier, verlieren wir Chancen dazuzulernen. Wir „schmoren in unserem eigenen Saft“, bleiben in unserer Komfortzone, entwickeln uns dadurch weniger weiter. Neugier beschert uns Überraschungen, Entdeckungen, neue Eindrücke, neues Wissen, manchmal auch Herausforderungen, die wir vorher nicht gesehen haben.  Auf jeden Fall sorgt Neugier für Bewegung im Kopf, denn immer wenn das Gehirn mit unbekannten Eindrücken konfrontiert wird, erhöht sich die Dopaminausschüttung – unser Glückshormon kommt in Umlauf und beschert uns Freude, Fröhlichkeit sogar Hochgefühl. Allein deshalb sollten wir uns diese wichtige Eigenschaft bewahren oder wieder neu entdecken.

Ich hoffe, Sie sind neugierig geworden oder stellen sich zumindest inzwischen die Frage, wie Sie ihre Neugier aktivieren können oder wie Sie auch in ihrem Unternehmen eine Kultur der Neugier und Offenheit entwickeln können. In jedem Fall erst einmal, indem Sie selbst mit Offenheit und vielen Fragen im Unternehmensalltag unterwegs sind. Sicher eine erste Herausforderung, weil wir oft besser darin sind für alles bereits Antworten zu haben.

Hier kommen noch ein paar interessante Literaturempfehlungen, um dieses Thema zu vertiefen und um Ihre Neugier zu befriedigen:

Lassen Sie uns zusammenarbeiten.

Website-Entwicklung: okapi-Werbeagentur 2020 | Copyright Gabriele Wilk/COWEO

Lassen Sie uns zusammenarbeiten.

Website-Entwicklung: okapi-Werbeagentur 2020 | Copyright Gabriele Wilk/COWEO